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Wie kann man sein Kind so vermarkten – euch geht’s doch nur ums Geld.

29. Okt. 2025
3 Min. Lesezeit

Es gibt Tage, da sind es nicht die großen Schicksalsschläge, die weh tun.

Es sind die Kommentare. Die Sätze von Menschen, die uns gar nicht kennen.


„Das ist doch kein Leben.“

„Das Beste wäre, wenn er stirbt.“

„Wie kann man sein Kind so vermarkten – euch geht’s doch nur ums Geld.“


Ich bin ehrlich – vielleicht hätte ich früher genauso geredet.

Ein Spruch am Stammtisch, ein Bier in der Hand, man lenkt vom eigenen Leben ab, redet über andere, weil man glaubt, man wüsste alles besser.

Aber ich sag’s euch – Kinder zu haben verändert alles.

Es macht dich menschlicher, verletzlicher. Es zeigt dir, was Liebe wirklich ist.


Am Tag, als die Zwillinge geboren wurden, hab ich zum ersten Mal die richtige Verantwortung im Leben gespürt. Nicht die eines Projekts im Job.

Diese Angst, dass nichts passieren darf. Dieses Gefühl, dass jetzt alles zählt.

Und dann kam der Unfall.


Seitdem kämpfen Laura und ich jeden Tag – um Olivers Leben, um das Lächeln unserer Zwillinge, um unsere Ehe, um uns selbst.

Ich will ehrlich sein – ich bin oft am Ende. Ich hatte drei Nervenzusammenbrüche. Ich hab geschrien, geweint, getreten. Ich hab gebetet.

Ich hab die Wände angeschrien, Gott angeschrien, das Schicksal angeschrien.

Ich wollte Oliver einfach nur wieder in den Arm nehmen, so wie früher. Ihn fühlen, wie er atmet. Wie er lacht.


Und dann liest du Kommentare wie

„Das ist doch kein Leben, warum tut ihr ihm das an. Schaltet das Gerät ab.“

Leute, die nie da waren, wenn du dein Kind absaugst, wenn du nachts wach bleibst, weil du Angst hast, dass er aufhört zu atmen.


Ich hatte mal ein normales Leben. Einen guten und sicheren Job. Senior Manager in der IT-Sicherheit. Sechsstelliges Euro Gehalt, Haus, Auto.

Schaffa schaffa Häusle baue – mein Vater hat’s mir vorgemacht.

45 Jahre beim gleichen Arbeitgeber, fleißig, zuverlässig, bodenständig. Ich hab auch schon 26 Jahre beim gleichen erreicht.

Und jetzt?

Jetzt gibt’s einen anderen Weg. Einen, den dir keiner in der Schule beibringt.


Ich muss rausfinden, wie wir als Familie überleben können.

Wie Oliver, Sebastian und Julian trotzdem Kinder sein dürfen.

Wie wir lachen können, obwohl das Leben uns alles genommen hat.


Ich brauche kein Haus mehr. Kein schönes Auto. Keine Rente.

Heimat ist kein Ort mehr. Heimat ist meine Familie.

Wenn ich eines Tages gehen muss, dann ist das okay – solange ich weiß, dass es meinen drei Jungs und meiner Frau gut geht.

Bis dahin reiß ich mir den Arsch auf.

Schaffa schaffa – halt ohne Häusle bauen.


Und ja – es geht um Geld. Aber nicht so, wie ihr denkt.

Wir reden hier über Millionen. Über Rechnungen, die man als normaler Mensch nicht bezahlen kann. Über Summen, mit denen ich nie etwas zu tun haben wollte.

Wir haben Stiftungen alles offengelegt – jede eingegangene Spende, jede Ausgabe, jedes Dokument.

Wir haben nichts zu verstecken.

Wir mussten durchsichtig werden. Unser ganzes Leben in Zahlen und Belegen in Excel zerlegt.


Ich erinnere mich noch, als unsere Freunde damals im Mai GoFundMe gestartet haben. Ich wusste nichts davon.

Als ich wach wurde, waren 17.000 Euro da.

Ich hab mich geschämt. Was denken die Leute über mich. Ich wusste nicht, ob ich das annehmen darf.

Aber ohne das – ohne EUCH – wäre Oliver heute nicht hier und wäre ich es überhaupt?


Und ich sag’s ganz klar:

Wir haben nie durch einen Bericht oder ein Interview Geld bekommen.

Wir haben nie ein Werbeangebot angenommen.

Auch hier – links und rechts – ist frei.

Und nein, „hier könnte nicht Ihre Werbung stehen“.

So etwas werden wir nie machen.

Weil es hier nicht um Klicks geht, nicht um Reichweite, sondern ums Leben.


Und ja, wir teilen unser Leben.

Weil es unsere einzige Chance ist.

Weil andere dadurch Hoffnung finden.

Weil wir zeigen wollen, dass selbst, wenn alles verloren scheint, man weiterkämpfen kann.


Ich will nicht reich werden. Ich will meinen Sohn wieder lachen sehen.

Ich will, dass meine Kinder glücklich sind. Dass sie wieder Kind sein dürfen. Das wäre der schönste und einzige Reichtum den ich will.

Und wenn das bedeutet, dass ich alles aufgebe, was ich je aufgebaut habe – dann ist das so.


Ich wünschte, ich säße wieder am Stammtisch, mit einem Bier und einem Wurstsalat, und würde über „die Staubs“ reden.

Aber das ist vorbei.

Ich bin einer von denen, über die man jetzt redet.

ABER ich weiß, dass ich alles richtig mache.


Weil ich kämpfe.

Weil ich liebe.

Ich wünsche niemanden diese Erfahrung die wir gemacht haben - aber die Liebe zu empfinden die wir empfinden. Für Oliver, für die Zwillinge und füreinander.


Aufgeben war nie eine Option!


Danke an alle, die Oliver und uns eine Chance auf ein gemeinsames Leben gegeben haben, geben und geben werden.

Heute bei der Halloween-Feier im Kindergarten. Und ihr glaubt wirklich, es wäre richtig gewesen, die Maschine auszuschalten?
Heute bei der Halloween-Feier im Kindergarten. Und ihr glaubt wirklich, es wäre richtig gewesen, die Maschine auszuschalten?

 
 
 

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